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CD-Kritik Klassik heute, November 21

02.11.2021    

Der spanische Gitarrenstil setzt auf Temperament und rauschhafte Klangfülle. Das haben die großen Meister ihres Faches, so auch der unerreichte Paco de Lucía eindrücklich demonstriert und dadurch auch ein neues Publikum, das bislang vor allem Jazz hörte, erschlossen. Das Schweizer EOS-Guitar Quartet wagt auf seiner aktuellen CD eine Hommage an den legendären Gitarristen, der 2014 in Mexiko verstarb. Die Besetzung mit gleich vier Gitarren weitet bei dieser hochmotivierten Formation das Ausdrucks- und Klangspektrum immens aus – umso mehr, als hinter den Instrumenten vier außerordentlich kreative Musikerpersönlichkeiten stehen, die im Geiste Paco de Lucías auch zur eigenen kompositorischen Feder greifen.

Eine emanzipierte Hommage

Julio Azcano, Marcel Ege, David Sautter und Michael Winkler arbeiten konzentriert daran, dass der realisierte Zusammenklang transparent und präzise bleibt und es an Vielschichtigkeit nie mangelt. Das Resultat kreiert auf dieser CD den berühmten hypnotischen Fluss, der zum Hören in einem Durchgang herausfordert.

War es ein Regieeinfall oder einfach nur eine spontane Äußerung aus dem Moment heraus? Wenn die Musiker am Ende des Eröffnungsstückes laut den Namen ihres Idols „Paco!‟ ausrufen, dann bündelt dies noch einmal das vorausgegangene Temperament des treibenden Eröffnungsstückes von José Rodriguez. Die Hommage des EOS-Quartetts an Paco de Lucía erfolgt emanzipiert genug, so dass hier eben nicht einfach Stücke des großen Meisters neu aufpoliert werden. Stattdessen schöpfen die Schweizer Musiker ausgiebig aus Tradition und Gegenwart, um daraus etwas eigenes zu machen: Quartettmitglied Marcel Ege hat sich für seine Neukompositionen mit alten Flamenco-Tanzstilen beschäftigt, um eine neue, aufregende Formensprache daraus zu kreieren.

Grande-Dame des Flamenco Gesangs

Gekrönt wird das ganze Unterfangen von Gesang! Für zwei Stücke nimmt das Quartett die berühmte „Cantora‟ und Flamenco-Sängerin Carmen Linares in ihre Mitte. Sie leiht ihre leidenschaftliche Stimme der Lyrik von Federico García Lorca – in neuen, aber tänzerisch-traditionsverhafteten Eigenkompositionen von David Sautter und Marcel Ege. Wie ein Ritterschlag mag es sich für die vier Schweizer angefühlt haben, dass ihr Projekt von einem so prominenten Kollegen wie John McLaughlin unterstützt wurde. Er hat dem Schweizer Quartett exklusiv ein virtuoses Stück gewidmet – vielleicht auch in dem Bewusstsein, dass hier vier Musiker von heute die Aura jener legendären „Friday Night at San Franciso‟-Schallplatte aufleben lassen, wo McLaughlin, Paco de Lucía und Al di Meola im Jahr 1980 die Gipfelregion in der Welt des gitarristischen Flamencojazz erstürmten. Doch in erster Linie hat für diese CD das Schweizer EOS Guitar Quartet seinen ganzen Erfahrungshorizont für etwas Neues mobilisiert.

Stefan Pieper [17.10.2021]

 


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